disjunkt
and the ghosts in the attic, they never quite leave.
Sengen 
03. May 09 03:04
Feuerengel, Schönster! Als du aus den hohen Sphären zu uns herabstiegst, empfingen wir dich mit offenen Armen und hiessen dich herzlichst willkommen in unseren Kreisen, so schön warst du. So schön! Deine Schwingen loderten wie kein Feuer brennt, dein Haar war wallender als die lebhafteste Flamme, dein Blick durchdringender noch als der versengendste Funke und deine Leidenschaft brennender als die stechendste Hitze. Feuerengel, Schönster! Der Sonne warst du gleich, der Allmächtigen. Als du deine Schwingen ausbreitetest und uns sanft umfingst, sahen wir nur das Licht, das dich umgab, spürten lediglich die Wärme, die von dir ausging. Wir erblickten deine Glorie und labten uns an deiner Brillanz. Wir hingen uns an deine Federn, Flammen pur, und hofften, in deinem Glanz zu baden. Feuerengel, Schönster! Wir wussten von nichts, wir argwöhnten nichts. Wie konnten wir auch wissen, dass deine Flammen uns versengen würden, warst du doch so schön!

Als du uns mit deinen Flügeln umschlossest, war es um uns geschehen. Wir lullten in deiner Wärme und wurden blind in deinem Angesicht, bis du wieder zum Himmel emporstiegst, das Licht und die Wärme sich verzogen und wir erkannten: Es war nichts mehr da. Dein Feuer hatte alles verschlungen. Wir besahen unsere verschrumpelte Haut und schrien: Wer war das, wer war das? Und suchten nach dem Schuldigen. Wir erblickten die Erde, erkannten sie, viel deutlicher als je zuvor, in ihrem Rohzustand: hässlich und trocken. Und lernten, auf ihr und mit ihr zu leben. Doch wir wussten: Es würde nie wieder so sein wie früher. Früher, bevor wir erblindeten. Bevor wir dir verfielen und leichtsinnig alle Vorsicht fallen liessen.
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